Wohin der Deutsch- und Geschichtsunterricht am IGV führen kann...

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Herr Ernst in der Bibliothek des IGV

Matthias Ernst ist ein ehemaliger Schüler des IGV, der 1999 sein Abitur bestand und schon seit 2014 regelmäßig an unserem Mentorenprogramm teilnimmt. Er hat Psychologie studiert und arbeitet derzeit in einer Schmerzklinik in Ulm. Das allein wäre ja schon einen tolle Karriere,  die ihn für uns als Mentor unentbehrlich macht, aber heute interessierten sich die Schülerinnen und Schüler der Q12 für das, was er in der einen Stunde macht, ehe er frühmorgens das Haus verlässt, nämlich schreiben, und zwar Krimis, auch historische.

Und schon ist die Titelfrage beantwortet.  

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Endlich konnten wir Endverbraucher eines fertigen literarischen Werkes auch einmal etwas über den Entstehungsprozess erfahren. 

So empfahl Ernst jedem, der mit dem Schreiben anfangen wolle, den Krimi als leichtestes Genre, bei dem man die Handlung schon vorgegeben habe. Man müsse zuerst "nur" überlegen, was passiere, wer der Täter sei und welches Motiv er/sie habe. Von dort aus, also von hinten, müsse man sich nach vorne arbeiten und dabei Täter und Motiv immer mehr verbergen, so dass eine spannende und komplexe Handlung entstehe, die zum Umblättern anregt. Außerdem gelte es, interessante Charaktere zu entwickeln, was ihm als Psychologe leicht falle, und eine Sprache zu verwenden, die gut lesbar sei. 

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Als kleine Kostprobe las er - sozusagen als Weltpremiere - aus seinem allerneusten, noch nicht veröffentlichten Krimi, der wie schon drei vorangegangene in Biberach an der Riss spielt. In diesem Zusammenhang verwies er auf die Popularität von Regionalkrimis à la Kluftinger. 

Während seine bisherigen Bücher nur als E-Books erschienen sind, hat er inzwischen eine Agentin, die seine Manuskripte bzw. sogar nur ein Exposé an Verlage vermittelt, so dass er erst nach Zusage eines Zuschusses mit dem Schreiben beginnt. Nach mehrfacher eigener Überarbeitung landet das Manuskript dann im Lektorat und wird dort auf Herz und Nieren auf seine "Marktfähigkeit" hin untersucht, überarbeitet und mit Anmerkungen versehen an ihn zurückgeschickt. Nach einer erneuten Lektorierung wandert es ins Korrektorat, wo Schreib- und Satzzeichenfehler eliminiert werden. Dann erst ist es druckreif. 

Nach seinen Zukunftsplänen gefragt, erzählt Ernst vom Angebot eines Verlags, eine Familiensaga zu schreiben, weil dieses Genre gerade sehr populär sei. Sehr überraschend waren für die Zuhörer die detaillierten Vorgaben, die ein Verlag einem Autor macht, damit sich der Roman möglichst gut verkauft. Gefordert wird eine Trilogie mit ca. 300 Seiten pro Band, die jeweils eine abgeschlossene Handlung mit positivem Ende enthalten. Der Kern ist eine Familiendynastie in Deutschland, z.B. Winzer, Obstbauern, Händler, Stahlmagnaten oder Pferdezüchter, deren Geschichte über einen Zeitraum von 1900 bis 1950, also über zwei Weltkriege hinweg erzählt wird. Diese kann vertikal angelegt sein, also Großmutter-, Mutter- und Enkelgeneration umfassen, oder horizontal, also von Geschwistern erzählen. Da als Zielgruppe Frauen ab 25 Jahren angesprochen werden sollen, muss die weibliche Pespektive eingehalten werden und die Handlung muss eine Liebesgeschichte mit widrigen Umständen umfassen. Die Handlung sollte im Präteritum und nicht in der Ich-Form erzählt und chronologisch entwickelt werden, die Sprache leicht verständlich sein. Ernst sah die Herausforderung darin, all diese Vorgaben umzusetzen, und wird sich das Angebot überlegen. 

Wir alle sind gespannt, was daraus werden wird, und den Literaturbetrieb daraufhin im Auge behalten. Leben könne er von seiner "Schreiberei" nicht, das könnten in Deutschland nur 250 Schriftsteller, denn er bekomme für jedes verkaufte Exemplar lediglich 60 Cent.   

Alles in allem erlebten die Q12er nach ihrer Mathematikklausur in den ersten beiden Stunden einen sehr interessanten und kurzweiligen Vortrag und bekamen gleichzeitig eine Ahnung, wozu eine Ausbildung am IGV einen befähigt. 

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Frau Firmke bedankt sich bei Herrn Ernst.