Latein

Eine magische Welt entdecken und eine geheimnisvolle Sprache enträtseln

 

Gute Gründe für das Erlernen einer "toten Sprache"

Bei Englisch und Französisch handelt es sich um moderne Fremdsprachen. Deshalb liegt ihr praktischer Nutzen auf der Hand, man denkt dabei z.B. an den Schüleraustausch oder an die spätere Anwendung im Berufsleben.

 

Bei Latein ist dieser Nutzen auf den ersten Blick nicht so offensichtlich, viele sprechen sogar von einer „toten Sprache“. Um diesen Irrtum auszuräumen, will die Fachschaft Latein am IGV im Folgenden einige gute Gründe aufzeigen, warum das Erlernen von Latein immer noch etwas ganz Besonderes darstellt:

 

Latein ist die Mutter der romanischen Sprachen Französisch, Italienisch und Spanisch. Diese lassen sich also mit Lateinkenntnissen viel leichter erlernen.

 

Latein hilft dir auch, die deutsche Sprache neu zu entdecken: Da im Lateinunterricht häufig Texte ins Deutsche übersetzt werden, muss man ständig über seine eigene Sprache nachdenken. Man lernt dabei:

  • gutes und elegantes Formulieren
  • grammatikalische Begriffe

Beispiel:

vici „ich habe gesiegt“ ist 1. Person Singular (Numerus) Perfekt (Tempus) Aktiv (Genus verbi)

  • die Herkunft von Fremdwörtern

Beispiele:

Computer von lat. computare „zusammenrechnen“

Abitur von lat. abire „weggehen“

Egoist von lat. ego „ich“

Video von lat. videre „sehen“

 

Das Übersetzen von lateinischen Texten ins Deutsche stärkt aber nicht nur die muttersprachliche Kompetenz. Es macht auch Spaß, da es etwas von einem Knobel- bzw. Legospiel an sich hat. Lateinische Texte bzw. Wörter setzen sich aus "Legobausteinen" zusammen, die gleichzeitig Signale an euch aussenden, wenn ihr euch daranmacht, den Sinn eines lateinischen Textes zu entschlüsseln.

Ein einfaches Beispiel: ridere „lachen“

Die Präsensformen lauten: rideo   rides   ridet   ridemus   ridetis   rident

Die fettgedruckten Legobausteine zeigen dir, um welche Person es sich handelt:

o steht für „ich“, s für „du“ usw.

Durch Hinzufügen eines weiteren Legobausteins kann man z.B. vom Präsens zum Imperfekt (Präteritum) gelangen: ridemus „wir lachen“ - ridebamus „wir lachten“

 

Da in Latein das Vokabellernen besonders wichtig ist, lernt ihr im Lateinunterricht eine Vielfalt an Techniken kennen, wie ihr euch die neuen Wörter besser merken bzw. mit System einprägen könnt. Dies kommt euch auch beim Erlernen moderner Fremdsprachen zugute.

 

Im Lateinunterricht werden modernste Unterrichtsmaterialien eingesetzt und ganz im Gegensatz zum Image des Lateinischen als „tote Sprache“ spielen auch moderne Medien (Computer / Smartboard / E-Book) bereits eine entscheidende Rolle.

 

 

Lehrwerk

Am IGV wird im Moment das Lehrbuch „Campus C – neu“ mit seiner bunten Palette an Zusatzmaterialien verwendet. Du kannst gerne genauere Informationen dazu erhalten, indem du dir die Materialien direkt am IGV ansiehst bzw. die Website www.ccbuchner.de besuchst. 

 

Lateinlehrer am IGV

Lateinfachschaft2018

von links nach rechts: StR Christoph Fischer, StRin Milva Reinhold, StR Wolfgang Irber, StD Harald Maidl (Fachbetreuer)

 

Leistungserhebungen

Schriftliche Leistungserhebungen (Tests und Schulaufgaben) sind immer klar strukturiert. Sie bestehen meist aus einer kleinen Übersetzung (immer vom Lateinischen ins Deutsche) und kurzen Aufgaben zu den Vokabel- und Grammatikkenntnissen, wie du sie auch von Englisch her bereits gewohnt bist. Die Rechtschreibung bereitet dabei keine so großen Probleme wie in den modernen Fremdsprachen, da Aussprache und Schreibung im Lateinischen praktisch immer identisch sind, was im Übrigen auch das Vokabellernen erleichtert. Daneben gibt es auch noch Fragen zum Kulturwissen, womit wir schon beim nächsten Pluspunkt des Faches Latein sind, immer vorausgesetzt, ihr interessiert euch für die damalige Welt.

 

 

Inhaltliche Schwerpunkte

Im Lateinunterricht dreht sich nämlich inhaltlich alles um die folgenden Themenbereiche:

  1. Das Leben im antiken Rom (Leben in der Stadt und auf dem Land / Sklaven / Schule / Essen / Religionsausübung usw.)
  2. Große Persönlichkeiten der Antike (z.B. Cäsar, Hannibal) und antike Geschichte(n)
  3. Die Welt der Götter und der Sagen (Mythologie)

Ein weiterer wesentlicher Gesichtspunkt ist schließlich das Herstellen von Bezügen zu unserem heutigen Leben. Durch den Lateinunterricht wirst du erkennen, wie viele Ähnlichkeiten und Parallelen die Welt der Römer – bei allen Unterschieden – zu unserer modernen Wirklichkeit aufweist.

 

All diese Punkte haben euch hoffentlich deutlich gemacht, dass Latein am IGV durchaus nützen (lat. prodesse) und gleichzeitig Spaß machen (lat. delectare) kann. Entdeckerfreuden werden freilich nur dem zuteil, der bereit ist, sich ganz auf diese rätselhafte und geheimnisvolle Sprache einzulassen. In diesem Sinne wünscht euch die Fachschaft Latein viel Vergnügen beim Lüften dieser Geheimnisse!!!

 

 

Typische Konstruktionen im Lateinischen

Für alle, die bereits mitten im Abenteuer Latein stecken, gibt es hier jetzt noch ein kostenloses Zusatzangebot. Im Folgenden sollen nämlich einige Beispiele gegeben werden, wie man die wichtigsten lateinischen Konstruktionen problemlos knackt:

 

(1) Participium coniunctum

Beispiel: Europa (BS) a Iove capta (PPP als PC) magna voce clamavit.

 

Das PPP capta stimmt mit seinem Bezugssubstantiv (BS) Europa in Kasus, Numerus und Genus überein, es ist mit ihm gleichsam verbunden, deshalb die Bezeichnung Participium coniunctum = verbundenes Partizip.

 

Du hast nun verschiedene Möglichkeiten, diese Konstruktion bei der Übersetzung ins Deutsche aufzulösen:

  1. wörtliche Übersetzung:
    Die von Jupiter gepackte Europa schrie laut.
  2. Übersetzung mit einem Relativsatz:
    Europa, die von Jupiter gepackt worden war, schrie laut.
  3. Übersetzung mit einem Adverbialsatz:
    Nachdem / Weil Europa von Jupiter gepackt worden war, schrie sie laut.
  4. Übersetzung durch Beiordnung:
    Europa wurde von Jupiter gepackt und schrie darauf / deshalb laut.

 

Dieselbe Vorgehensweise funktioniert auch, wenn es sich bei dem Partizip nicht um ein PPP, sondern um ein PPA handelt.

 

Beispiel: Icarus patri non parens in mare cecidit.

  1. Der dem Vater nicht gehorchende Ikarus fiel ins Meer.
  2. Ikarus, der dem Vater nicht gehorchte, fiel ins Meer.
  3. Als / Weil / Indem Ikarus dem Vater nicht gehorchte, fiel er ins Meer.
  4. Ikarus gehorchte dem Vater nicht und fiel dabei / deshalb / dadurch ins Meer.

 

 

(2) Ablativus absolutus

Troia capta Graeci in patriam redire studuerunt.

 

Der Ablativus absolutus ist – wie schon der lateinische Name verrät – eine vom übrigen Satz losgelöste Konstruktion und besteht in der Regel aus einem Nomen im Ablativ und einem Partizip im Ablativ.

 

Auch hier gibt es mehrere Übersetzungsmöglichkeiten:

  1. (a) Übersetzung mit einem Adverbialsatz (passivisch):
    Nachdem Troja erobert worden war, versuchten die Griechen in ihre Heimat zurückzukehren.
  2. (b) Übersetzung mit einem Adverbialsatz (aktivisch):
    Nachdem sie Troja erobert hatten, versuchten die Griechen in ihre Heimat zurückzukehren.
  3. (c) Übersetzung mit einem Präpositionalausdruck:
    Nach der Eroberung Trojas versuchten die Griechen in ihre Heimat zurückzukehren.

 

 

(3) Akkusativ mit Infinitiv (AcI)

Hier einige Beispiele (mit deutscher Übersetzung):

  • Dominus gaudet servos (A) multum laborare (I).
    Der Herr freut sich, dass die Sklaven viel arbeiten.
  • Homilia serva scit amicum (A) hodie in vineis laboravisse (I).
    Die Sklavin Homilia weiß, dass der Freund heute in den Weinbergen gearbeitet hat.
  • Syrus servus putat s e (A) bonum esse (I).
    Der Sklave Syrus glaubt, dass er (= er selbst) tüchtig ist.
  • Etiam dominus putat e u m (A) bonum esse (I).
    Auch der Herr glaubt, dass er (= Syrus) tüchtig ist.