Unsere Maßnahmen zur Schulentwicklung

Initiative für unsere Schülerinnen und Schüler zur Schulentwicklung der Gymnasien im Rahmen der Bildungsregion Landkreis Neu-Ulm

 

Die Gymnasien in der Bildungsregion Landkreis Neu-Ulm wollen einen wichtigen Beitrag zur Erschließung aller Begabungsreserven und zur Förderung ihrer Schülerinnen und Schüler leisten. Hierzu haben die Lehrerkollegien der Gymnasien im Landkreis einen gemeinsamen Maßnahmenkatalog beschlossen.

 

Für eine Kultur des Förderns

Die Schulen stellen in ihren pädagogischen Entwicklungsplänen die individuelle Förderung in den Vordergrund. Dafür steht das Flexibilisierungsjahr, die zusätzlichen Intensivierungsstunden, die Förderung in Kleinstgruppen sowie eine individuelle Lernberatung. Unterstützend kann die Betreuung in der Offenen und Gebundenen Ganztagsschule wirken, auch als Angebot an Schülerinnen und Schüler, deren Eltern diese Form der Nachmittagsschule eigentlich nicht nachfragen. Ebenso soll ein intensives und behutsames Vorgehen bei der Einführung der Fremdsprachen den Übertritt ans Gymnasium erleichtern.

 

Soziales Lernen

Bildung ohne Erziehung ist nur eine halbe Sache, deshalb legen die Gymnasien im Landkreis auch großen Wert auf das Training sozialer Kompetenzen durch Lehrkräfte, Schulpsychologen, Beratungslehrer und Anti-Mobbing-Beauftragte, zudem auf die Streitschlichtung bei Konflikten der Schülerinnen und Schüler untereinander. Zusätzliche Hilfen durch Tutorensysteme im sozialen Bereich, beim Lernen und in der Nachmittagsbetreuung sind Anreize für jüngere und ältere Schülerinnen und Schüler für gemeinschaftsbildende Aktivitäten und gemeinsames Lernen. Breite Wahlfachangebote im sportlichen, musischen und technischen Bereich sollen individuelle Begabungen fördern.

 

Für eine angstfreie Lernatmosphäre

An allen Gymnasien im Landkreis werden prüfungsfreie Zeiten (z.B. Schwör-montag, Rußiger Freitag, Weihnachten) eingehalten. An unseren Schulen gibt es eine feste Anzahl von Schulaufgaben sowie eine klare Gewichtung. In der Regel wird höchstens einmal Nachmittagsunterricht in der 5. Klasse erteilt (meistens fakultativer Unterricht wie Intensivierungen, Wahlfächer oder Sport). Schriftliche Hausaufgaben auf den nächsten Tag werden in der Unter- und Mittelstufe an Tagen mit verpflichtendem Nachmittagsunterricht nicht gegeben. Es wird außerdem diskutiert, dass unangesagte schriftliche Leistungsnachweise abgeschafft werden sollen, dies wird in einer ersten Erprobungsphase bereits an einigen Gymnasien so umgesetzt.

 

Die Maßnahmen im Einzelnen:
  • Ausbau der individuellen Förderung am Gymnasium (Flexibilisierungsjahr, Intensivierungsstunden, Förderung in Kleinstgruppen, individuelle Lernberatung)
  • Intensives und behutsames Vorgehen bei der Einführung der Fremdsprachen
  • Individuelle zusätzliche Förderung in der Offenen und Gebundenen Ganztagsschule als Angebot auch an Schülerinnen und Schüler, deren Eltern diese Form der Betreuung eigentlich nicht nachfragen
  • Breite Wahlfachangebote im sportlichen, musischen und technischen Bereich
  • Training sozialer Kompetenzen durch Lehrkräfte, Schulpsychologen, Beratungslehrer,
    Anti-Mobbing-Beauftragte, Mediation und außerschulische Fachkräfte sowie in „Zeit für uns“, Klassenrat
  • Zusätzliche Hilfen durch Tutorensysteme im sozialen Bereich, beim Lernen und in der Nachmittagsbetreuung
  • Es gibt keine unangesagten schriftlichen Leistungsnachweise an unseren Schulen.
  • An allen Gymnasien im Landkreis werden prüfungsfreie Zeiten
    (z.B. Schwörmontag, Rußiger Freitag, Weihnachten) eingehalten.
  • An unseren Schulen gibt es eine feste Anzahl von Schulaufgaben sowie eine klare
    Gewichtung.
  • In der Regel wird höchstens einmal Nachmittagsunterricht in der 5. Klasse erteilt
    (meistens fakultativer Unterricht wie Intensivierungen, Wahlfächer oder Sport).
  • Schriftliche Hausaufgaben auf den nächsten Tag werden in der Unter- und Mittelstufe an Tagen mit Nachmittagsunterricht nicht gegeben.

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Unsere Schülerinnnen und Schüler freut's.

 

Pressemitteilung des Landkreises Neu-Ulm vom 20.02.2014

Gymnasien im Landkreis Neu-Ulm nehmen Druck von ihren Schülern

Die fünf Schulleiter stellen ein gemeinsames Konzept für eine „angstfreie Lernatmosphäre“ vor – Exen werden jetzt angesagt

„Es gibt viele Schüler, die aufs Gymnasium wollen, man muss sie aber auch wollen lassen“, sagt Dr. Ralf Schabel, der Direktor des Illertal-Gymnasiums Vöhringen-Illerzell. Er und seine vier Schulleiter-Kollegen Dr. Martin Bader (Lessing-Gymnasium Neu-Ulm), Jutta Gruber (Bertha-von-Suttner-Gymnasium Puhl), Klaus Schneikart (Nikolaus-Kopernikus-Gymnasium Weißenhorn) und Manfred Schöpplein (Kolleg der Schulbrüder Illertissen) stellten bei einer Pressekonferenz im Landratsamt Neu-Ulm ein einheitliches Konzept zur Schulentwicklung vor, das eine klare Botschaft an Eltern und Kinder aus-sendet: Habt keine Angst vor dem bayerischen G8, wir wollen euch nicht aussieben, sondern euch auf dem Weg zum Abi stützen und unterstützen!

Die Lehrerkollegien der fünf Gymnasien im Landkreis Neu-Ulm verabschiedeten in den zurückliegenden Wochen das Papier, mit dem sie ihre Schulen im Rahmen der Bildungsregion Landkreis Neu-Ulm gemeinschaftlich profilieren wollen. Landrat Erich Josef Geßner begrüßt die als Modell geeignete Initiative der heimischen Gymnasien: „Schüler, die dafür geeignet sind, sollen auch aufs Gymnasium gehen und nicht davor zurückschrecken. Auch das bayerische Abitur ist gut machbar und bietet außerdem die besten Voraussetzungen für ein Studium oder eine gehobene Berufsausbildung.“

Rund 1100 Kinder und Jugendliche, die im Landkreis Neu-Ulm wohnen, gehen im benachbarten Baden-Württemberg zur Schule. Da-runter sind viele Gymnasiastinnen und Gymnasiasten, die den fünf heimischen Gymnasien abgehen. Deren Schülerzahlen sind zuletzt merklich gesunken.

Die Angst der Eltern, ihre Kinder würden überfordert, haben die Schulleiter als entscheidendes Motiv ausgemacht, sich dem  „anspruchsvollen, aber auch fundierten bayerischen Gymnasium“ (Landrat Geßner) nicht zu stellen. Mit einem ganzen Bündel an Maßnahmen soll dieser Furcht nun begegnet werden.

Jubelstürme haben die Pädagogen in den Klassen ausgelöst, als sie unlängst mitteilten, es werde künftig keine unangesagten Stegreifaufgaben mehr geben. Die bei Schülern wie Eltern gleichermaßen berüchtigten Exen (Extemporalien) werden im zweiten Halbjahr des laufenden Schuljahres alle mindestens einen Tag vorher angekündigt. Sind die Erfahrungen damit positiv, wollen die fünf Gymnasien im Landkreis diese Regelung ab dem Schuljahr 2014/15 fest einführen.

„Für uns Schüler ist das ein riesiger Schritt“, freut sich Zoi Panteliadou, die Schülersprecherin des Nikolaus-Kopernikus-Gymnasiums (NKG) Weißenhorn. „Dadurch wird viel Druck von uns genommen; wir können jetzt beruhigter in die Stunden gehen“, erläutert Florian Britz, der Schülersprecher des NKG. Manche Lehrer freilich wollten lieber an der bisherigen Praxis der Leistungskontrollen festhalten, verrieten die Gymnasialdirektoren; jene meinten, nur so die Schüler zu kontinuierlichem Lernen bewegen zu können.

Für eine „angstfreie Lernatmosphäre“ sollen auch andere Beschlüsse sorgen: Wenn Schüler der Unter- und der Mittelstufe verpflichtenden Nachmittagsunterricht haben, bekommen sie an diesem Tag keine schriftlichen Hausaufgaben für den nächsten Tag mehr auf. In der fünften Jahrgangsstufe wird in der Regel höchstens einmal in der Woche nachmittags unterrichtet, wobei es sich hierbei meist um Intensivierungsstunden, Wahlfächer oder Sport handeln soll.

Für die Fünftklässler, also die Neuzugänge aus der Grundschule, wurde extra ein Übergangsmanagement installiert. Die Gymnasien verfügen über je eine Grundschullehrerin, die als Lotsin die „Kleinen“ an die Hand nimmt und ihnen hilft, sich an die neue Schule mit dem veränderten Umfeld und den gestiegenen Anforderungen zu gewöhnen. Zudem betreuen Mitschüler höherer Klassen als Tutoren Jüngere beim Lernen und vermitteln ihnen korrektes Sozialverhalten.

Auch in Sachen individueller Förderung der Schülerinnen und Schüler tut sich an den Gymnasien diesseits von Donau und Iller einiges: Flexibilisierungsjahr, zusätzliche Intensivierungsstunden, Förderung in Kleinstgruppen, persönliche Lernberatung sowie Nachmittagsbetreuung. Darüber hinaus soll ein „intensives und behutsames Vorgehen bei der Einführung der Fremdsprachen“ den Übertritt ans bayerische Gymnasium erleichtern.

Bei allen Hilfen und Erleichterungen für die Schülerinnen und Schüler soll die Bildungsqualität nicht leiden. „Das klingt nach der Quadratur des Kreises“, räumt Direktor Schabel ein; er ist aber zuversichtlich, dass beides gelingen wird.

Die Übertrittsquote zum Gymnasium liegt ihm zufolge im Landkreis Neu-Ulm bei 36 Prozent. Der bayerische Durchschnitt beträgt 40 Prozent. „Wir haben also deutlich Luft nach oben“, sagt Schabel. Diese Lücke wollen er und seine Kollegen schließen. Jetzt müssen nur noch die Eltern der gegenwärtigen Grundschüler mitspielen.

Schulentwicklung

Sie wollen die Angst vor dem bayerischen Gymnasium nehmen: vorne v.l.: Wolfgang Opitz (Landratsamt; Leiter des Fachbereichs „Schule, Kindergarten, Sport, Kultur“), Sonja Seger (Landratsamt; Zentrale Ansprechpartnerin Bildungsregion Landkreis Neu-Ulm), Landrat Erich Josef Geßner, Jutta Gruber (Schulleiterin Bertha-von-Suttner-Gymnasium Neu-Ulm/Pfuhl), Zoi Panteliadou und Florian Britz (Schülersprecher des Nikolaus-Kopernikus-Gymnasiums Wei-ßenhorn). Hinten v.l.: Hans Vogel (Elternbeiratsvorsitzender des Illertal-Gymnasiums), Klaus Schneikart (Schulleiter des NKG Weißenhorn), Dr. Martin Bader (Schulleiter des Lessing-Gymnasiums, Dr. Ralf Schabel (Schulleiter des Illertal-Gymnasiums Vöhringen-Illerzell), Manfred Schöpplein (Schulleiter des Kollegs der Schulbrüder Illertissen).

Foto: Jürgen Bigelmayr (Landratsamt Neu-Ulm)